Historische Erläuterungen zum Schnadegang am 01. Mai 2002

Die Heerstrasse:
Situation im Mittelalter:
Die von Süden von Fritzlar kommende Heerstrasse führt über Naumburg, Wolfhagen, Viesebeck, zwischen Lütersheim und Ehringen über das Scheid (Naturschutzgebiet) nach Volkmarsen und weiter nach Westfalen. Die Bedeutung dieser Strasse lag darin, dass sich auf ihr der gesamte Verkehr von Ober- und Niederhessen nach Westfalen abwickelte. Wie aus den alten Zollregistern zu Wolfhagen hervorgeht, wurde auf ihr in den Jahren um 1462 ein nicht unbeträchtlicher Güterverkehr abgewickelt. So sehr die Heerstrasse wirtschaftlich von großer Bedeutung für die Anwohner war, so hatte sie auch ihre Nachteile, denn sie führte sehr oft dazu, dass in den angrenzenden Gemarkungen immer wieder Überfälle auf Kaufleute, die die Heerstrasse befuhren, von wilden Horden aus den Nachbarländern verübt wurden und diese somit nicht zur Rechenschaft gezogen werden konnten, da sie einer anderen Obrigkeit angehörten. Nicht zuletzt auch der (Raubritter) Reinhard von Dalwigk, der die Weidelsburg besaß, überfiel die dort fahrenden Kaufleute. Die an der Heerstrasse liegenden Orte wurden auch von kriegerischen Einflüssen nicht verschont, denn die Truppen benutzten zum großen Teil diese Heerstrassen. 1474 verpfändete Erzbischof Hermann von Köln die Kugelsburg und die Stadt Volkmarsen an seinen Bruder, den Landgrafen Hermann von Hessen. Burg und Stadt verweigerten dem Landgrafen den Gehorsam. Der Landgraf von Hessen eroberte 1475 die Kugelsburg, und es sammelte sich am 04.07.1476 die Ritterschaft des Landgrafen von Hessen mit 1000 Pferden und 4000 Mann Fußvolk in Ippinghausen. Sie zogen über die Heerstrasse um gegen die Stadt Volkmarsen zu kämpfen. Diese Kämpfe endeten nach einem Jahr – also 1477 - mit einem Sieg des Landgrafen, der die Stadt Volkmarsen in Brand steckte.

Der siebenjährige Krieg (1756 – 1763)
Es gab Kriegsschauplätze im Osten (Preussen gegen Österreicher) und hier bei uns Kriegsschauplätze im Westen (die Verbündeten unter dem Herzog von Braunschweig gegen die Franzosen). Erneut wurde die Heerstrasse  im Siebenjährigen Krieg als Aufmarschstrasse genutzt. Zu einem sehr heftigen Gefecht kam es am 26. Juli 1760 um den Besitz der Weidelsburg und von Ippinghausen. In diesem Gefecht standen 12 Bataillone französischer Infanterie und zahlreiche Reiterei ungefähr gleichstarken Verbänden der Verbündeten gegenüber, die hier als Nachhut postiert waren. Der Kampf dauerte von früh morgens bis in die späte Nacht hinein. Zwischen dem 26. und 30 Juli 1760 muss die Streitmacht diesen Weg – die Heerstrasse - genutzt haben, denn am 31. Juli 1760 kam es zwischen den Truppen der beiden Parteien - Franzosen und Hessen gegen Engländer, Preußen und Braunschweiger - am Heinturm bei Ossendorf zur Schlacht, der „Schlacht bei Warburg“. Die siegreichen Engländer und ihre Verbündeten gaben anschließend die Stadt zur Plünderung frei. Die zahlreichen Durchmärsche mit umfangreichen Requisitionen, der wochenlange Aufenthalt vieler Tausender Soldaten in Warburg und Umgebung und die anschließende Plünderung führten zum endgültigen Niedergang der Stadt, die sich gerade ein wenig von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges erholt hatte. Die Bevölkerungszahl sank auf ca. 2000. Warburg war seitdem nur noch ein bescheidenes Landstädtchen.

Stein Nr. 11 + 12
Die Abgesandten der Grafschaft Waldeck und des Kurfürstentums Köln waren am 15. November 1662 in Volkmarsen zusammengekommen, hatten anschließend die Grenze begangen und darüber schriftlich den vereinbarten Vergleich wie folgt (auszugsweise) niedergelegt: „Erstlich bei der also benannten Scheide=Wahrte angefangen / und von dar auf dem Schied gegen dieser Hohen=Wahrt vorm Buchen=Busch   / der 1. Stein. Von dannen stracks das Acker=Feld hinunter…….am Lütersheimer Fahrweg / der 2. Stein. …..Von welchem die gerade Linie hinaus/ nach dem Weller Holtz(gemeint ist: Weldaer Holz im Bereich des Ibergs  - Grenze zwischen Hörle, Welda und Volkmarsen) / da das Stift Paderborn / Volkmarsen und Waldeck zusammen stossen.“ Dieser Vergleich wurde am 11. Juli 1663 in Bonn von der Grafschaft Waldeck und dem Kurfürstentum Köln unterzeichnet.
Etwa 100 Jahre später wird in dem Abschnade-Recess von 1769, der zwischen dem Fürstentum Waldeck (aus der Grafschaft Waldeck wurde 1711 das Fürstentum Waldeck) und dem Kurfürstentum Köln entstand, der Beginn des Grenzverlaufes wie folgt beschrieben: „ Chur=Cöllnischer Seits fängt die Volkmarser Grenze bei der sogenannten hohe Warth auf der Scheide, nach Inhalt Reccus de 1663 (gemeint ist der vereinbarte Vergleich zwischen Grafschaft Waldeck und Kurfürstentum Köln der am 11. Juli 1663 unterzeichnte wurde) an, und in Linea Recta  auf den ersten Stein, allwo dem Chur=Cöllnischen zu schnaden anfängt, welcher erste Stein von ermeldeter hohen Warth 96 Ruhten entlegen ist und die Magnet=Nadel anzeigt = 348 Grad 96 Ruhten 0 Fuß.“
Vergleicht man die Grenzrezesse von 1663 und 1769, so kommt man zu dem Ergebnis, dass die Grenzziehung nach einer Zeitspanne von über 100 Jahren in diesem Landschaftsbereich im Ursprung erhalten geblieben ist und sich bis in die heutige Zeit erhalten hat.
 
 
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