Die Heerstrasse:
Situation im Mittelalter:
Die von Süden von Fritzlar kommende Heerstrasse
führt über Naumburg, Wolfhagen, Viesebeck, zwischen Lütersheim
und Ehringen über das Scheid (Naturschutzgebiet) nach Volkmarsen und
weiter nach Westfalen. Die Bedeutung dieser Strasse lag darin, dass sich
auf ihr der gesamte Verkehr von Ober- und Niederhessen nach Westfalen abwickelte.
Wie aus den alten Zollregistern zu Wolfhagen hervorgeht, wurde auf ihr
in den Jahren um 1462 ein nicht unbeträchtlicher Güterverkehr
abgewickelt. So sehr die Heerstrasse wirtschaftlich von großer Bedeutung
für die Anwohner war, so hatte sie auch ihre Nachteile, denn sie führte
sehr oft dazu, dass in den angrenzenden Gemarkungen immer wieder Überfälle
auf Kaufleute, die die Heerstrasse befuhren, von wilden Horden aus den
Nachbarländern verübt wurden und diese somit nicht zur Rechenschaft
gezogen werden konnten, da sie einer anderen Obrigkeit angehörten.
Nicht zuletzt auch der (Raubritter) Reinhard von Dalwigk, der die Weidelsburg
besaß, überfiel die dort fahrenden Kaufleute. Die an der Heerstrasse
liegenden Orte wurden auch von kriegerischen Einflüssen nicht verschont,
denn die Truppen benutzten zum großen Teil diese Heerstrassen. 1474
verpfändete Erzbischof Hermann von Köln die Kugelsburg und die
Stadt Volkmarsen an seinen Bruder, den Landgrafen Hermann von Hessen. Burg
und Stadt verweigerten dem Landgrafen den Gehorsam. Der Landgraf von Hessen
eroberte 1475 die Kugelsburg, und es sammelte sich am 04.07.1476 die Ritterschaft
des Landgrafen von Hessen mit 1000 Pferden und 4000 Mann Fußvolk
in Ippinghausen. Sie zogen über die Heerstrasse um gegen die Stadt
Volkmarsen zu kämpfen. Diese Kämpfe endeten nach einem Jahr –
also 1477 - mit einem Sieg des Landgrafen, der die Stadt Volkmarsen in
Brand steckte.
Der siebenjährige Krieg (1756 – 1763)
Es gab Kriegsschauplätze im Osten (Preussen gegen
Österreicher) und hier bei uns Kriegsschauplätze im Westen (die
Verbündeten unter dem Herzog von Braunschweig gegen die Franzosen).
Erneut wurde die Heerstrasse im Siebenjährigen Krieg als Aufmarschstrasse
genutzt. Zu einem sehr heftigen Gefecht kam es am 26. Juli 1760 um den
Besitz der Weidelsburg und von Ippinghausen. In diesem Gefecht standen
12 Bataillone französischer Infanterie und zahlreiche Reiterei ungefähr
gleichstarken Verbänden der Verbündeten gegenüber, die hier
als Nachhut postiert waren. Der Kampf dauerte von früh morgens bis
in die späte Nacht hinein. Zwischen dem 26. und 30 Juli 1760 muss
die Streitmacht diesen Weg – die Heerstrasse - genutzt haben, denn am 31.
Juli 1760 kam es zwischen den Truppen der beiden Parteien - Franzosen und
Hessen gegen Engländer, Preußen und Braunschweiger - am Heinturm
bei Ossendorf zur Schlacht, der „Schlacht bei Warburg“. Die siegreichen
Engländer und ihre Verbündeten gaben anschließend die Stadt
zur Plünderung frei. Die zahlreichen Durchmärsche mit umfangreichen
Requisitionen, der wochenlange Aufenthalt vieler Tausender Soldaten in
Warburg und Umgebung und die anschließende Plünderung führten
zum endgültigen Niedergang der Stadt, die sich gerade ein wenig von
den Folgen des Dreißigjährigen Krieges erholt hatte. Die Bevölkerungszahl
sank auf ca. 2000. Warburg war seitdem nur noch ein bescheidenes Landstädtchen.
Stein Nr. 11 + 12
Die Abgesandten der Grafschaft Waldeck und des Kurfürstentums
Köln waren am 15. November 1662 in Volkmarsen zusammengekommen, hatten
anschließend die Grenze begangen und darüber schriftlich den
vereinbarten Vergleich wie folgt (auszugsweise) niedergelegt: „Erstlich
bei der also benannten Scheide=Wahrte angefangen / und von dar auf dem
Schied gegen dieser Hohen=Wahrt vorm Buchen=Busch / der 1.
Stein. Von dannen stracks das Acker=Feld hinunter…….am Lütersheimer
Fahrweg / der 2. Stein. …..Von welchem die gerade Linie hinaus/ nach dem
Weller Holtz(gemeint ist: Weldaer Holz im Bereich des Ibergs - Grenze
zwischen Hörle, Welda und Volkmarsen) / da das Stift Paderborn / Volkmarsen
und Waldeck zusammen stossen.“ Dieser Vergleich wurde am 11. Juli 1663
in Bonn von der Grafschaft Waldeck und dem Kurfürstentum Köln
unterzeichnet.
Etwa 100 Jahre später wird in dem Abschnade-Recess
von 1769, der zwischen dem Fürstentum Waldeck (aus der Grafschaft
Waldeck wurde 1711 das Fürstentum Waldeck) und dem Kurfürstentum
Köln entstand, der Beginn des Grenzverlaufes wie folgt beschrieben:
„ Chur=Cöllnischer Seits fängt die Volkmarser Grenze bei der
sogenannten hohe Warth auf der Scheide, nach Inhalt Reccus de 1663 (gemeint
ist der vereinbarte Vergleich zwischen Grafschaft Waldeck und Kurfürstentum
Köln der am 11. Juli 1663 unterzeichnte wurde) an, und in Linea Recta
auf den ersten Stein, allwo dem Chur=Cöllnischen zu schnaden anfängt,
welcher erste Stein von ermeldeter hohen Warth 96 Ruhten entlegen ist und
die Magnet=Nadel anzeigt = 348 Grad 96 Ruhten 0 Fuß.“
Vergleicht man die Grenzrezesse von 1663 und 1769, so
kommt man zu dem Ergebnis, dass die Grenzziehung nach einer Zeitspanne
von über 100 Jahren in diesem Landschaftsbereich im Ursprung erhalten
geblieben ist und sich bis in die heutige Zeit erhalten hat.
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